Blockade verhindert rechte Demo in Mauer
In dem sicheren Bewusstsein, hier in der Region unerwünscht zu sein, musste ein Grüppchen Rechtsradikaler am Samstag Nachmittag in Mauer unverrichteter Dinge wieder in den Zug steigen. Geplant gewesen war eine Demo durch den Ortskern, vorgeblich um gegen Kindesmissbrauch zu protestieren – eine perfide, zuletzt oft angewendete Taktik der Rechten, die sich bei diesem Thema Zuspruch aus breiten Teilen der Bevölkerung erhoffen.
Diese Rechnung ist in Mauer nicht aufgegangen, weil sich eine Übermacht an Gegendemonstranten aus dem Ort und den Gemeinden der Region einen solchen Auftritt der Rechten verbaten und kurzerhand den vom Bahnhof aus einzigen Zugang zum Ortskern blockierten. Ein kleines spontanes Volksfest kam da zusammen, es wurden alte Bekannte begrüßt und Lieder gesungen, auch wenn der strahlende Sonnenschein so gar nicht zum traurig-ernsten Anlass passen wollte. Angesichts von circa zweihundert friedlich auf der Brücke ausharrenden Menschen, die deutlich machen wollten, dass für rechtes Gedankengut in Mauer kein Platz ist, änderte die besonnen agierende Polizei die Route und führte die Rechten in einer kurzen, wenig beachteten Schleife durch zwei Wohnstraßen bevor sie sie am Bahnhof wieder in den Zug steigen und abreisen ließen.
Die angereisten Nazis perplex ob des vehementen Widerstands
Ein großer Erfolg für eine Zivilgesellschaft, die es nicht hinnehmen will, dass die Rechtsradikalen öffentlichen Raum in Anspruch nehmen um für ihre Ideen zu werben. Auf einer Gegenkundgebung auf dem Schulhof hatten zuvor Vertreter aller demokratischen Parteien ihre Einigkeit in der Ablehnung rechtsradikaler Parolen bekundet. Unterdessen sorgte ein entschlossener Trupp Blockierer am Bahnhof dafür, dass sich die Polizei zunächst auf’s Abwarten verlegte und die angereisten Nazis am Losmarschieren hinderte. Als dann die Besucher der Gegendemo vom Mauermer Bürgermeister Albrecht zu einem spontanen „Spaziergang“ zum Bahnhof eingeladen wurden, war die Sache angesichts der Zahlenverhältnisse klar: Die Region will die Rechten nicht im Ort haben! Mit Andreas Farrenkopf am Megaphon und der Grünen Bundestagskandidatin Charlotte Schneidewind-Hartnagel als Rednerin, die die Ablehnung der Menschen eindringlich zum Ausdruck brachte, blieb dem Ort an diesem Tag eine rechte Demo erspart. „Es ist vorbei !“, gratulierte Charlotte den Blockierern zum Abschluss. „Aber nur für heute – wir müssen weiter wachsam sein, damit auch in Zukunft solchen Umtrieben entschieden entgegengetreten wird.“

Charlotte Schneidewind-Hartnagel spricht aus, was
alle denken: „Rechte Parolen sind hier nicht wilkommen!“
Ein Tag der, von dem versprengten Grüppchen angereister Nazis abgesehen, nur Gewinner kannte: Die Mauermer Bevölkerung, die so klar, wie man sich das überall wünschen würde, Nein gesagt hat; die Demokratie, die sich ganz schön auf die Hinterbeine stellen kann, wenn sie bedroht ist und wir Grüne, die in großer Zahl ganz vorne mit dabeistanden, als es galt den Nazis klarzumachen, dass sie nicht willkommen sind.
Stefan Geißler