Große Politik in Kleingemünd

Reinhard Bütikofer, EU-Spitzenpolitiker der Grünen in Neckargemünd

Ein Ereignis mit Seltenheitswert war am Montag (11. Mai) in Neckargemünd zu erleben. Einer Einladung des Ortsverbandes der Grünen folgend, war der Spitzenkandidat für die Europawahl und ehemalige Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer ins Neckartal zu einer Veranstaltung mit dem Motto „Grüne machen den Unterschied – lokal und europaweit“ gekommen – eine Art Heimatbesuch für Bütikofer, dessen politische Karriere vor vielen Jahren in Heidelberg begann, bevor ihn Aufgaben in Landes- und Bundespolitik riefen.

Petra Groesser, Reinhard Bütikofer & Hermino Katzenstein. Foto: AlexIns Zentrum seiner Rede stellte Bütikofer die Dramatik der sich abzeichnenden Veränderungen hinsichtlich des weltweiten Klimas. Das Thema sei zwar seit kurzem endlich unbestritten in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen, die politischen Maßnahmen jedoch hinkten den Notwendigkeiten weit hinterher und drohten zuletzt angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise sogar wieder an Aufmerksamkeit zu verlieren. Weitere Verzögerungen in dieser Frage könne man sich jedoch nicht mehr leisten und dies bedeute insbesondere politische Strukturen müssten den Umweltfragen Rechnung tragen – Bürgerschaftliches Engagement oder vereinzelte technische und wissenschaftliche Fortschritte alleine wären nicht ausreichend. Da kein Land den anstehenden Herausforderungen isoliert begegnen könne, seien daher starke Grüne in Europa essentiell um dem Thema Ökologie zur nötigen Aufmerksamkeit zu verhelfen. Routiniert und eindringlich referierte Bütikofer den gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse: Nur noch wenige Jahre blieben der Welt, mit entschiedenem Umsteuern den ohnehin wohl nicht mehr aufzuhaltenden Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad zu begrenzen – und damit die schlimmsten Folgen eventuell noch beherrschbar zu machen. Ein solches Umsteuern sei derzeit noch für ca. ein Prozent des weltweiten Bruttosozialproduktes zu organisieren – bei einem Ausbleiben dieser Reaktion seien vielfach höhere Kosten als Folge der dann ungebremst einsetzenden Klimaschäden zu erwarten.

Auf die lokale Ebene übersetzt wurden diese Notwendigkeiten von Hermino Katzenstein, Spitzenkandidat der Grünen für die zeitgleich zur Europawahl stattfindende Kommunalwahl. So seien in Neckargemünd einige grüne Erfolge zu verzeichnen, wie z.B. das aufgrund der Beharrlichkeit der Grünen Fraktion im Passivhaus-Standard errichtete Schulzentrum oder der neue Stadtbus. Vor Ort, in der Kommune, finde Umweltpolitik in einer Vielzahl von konkreten Projekten statt – oder eben nicht. Und dafür seien auch im Gemeinderat starke Grüne nötig. Für die gibt es in der kommenden Wahlperiode viel zu tun: Hermino Katzenstein wünscht sich „endlich eine Solaranlage auf dem Rathaus“ und die „kostenlose Mitnahme von Fahrrädern“ im Bus, was insbesondere den Bewohner/innen der Ortsteile die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs erleichtern würde. Schließlich stellte er das jüngste Projekt der Grünen vor – sie wollen für das Areal rund um den Menzerpark einen öffentlichen Ideenwettbewerb initiieren. Dass derartige Maßnahmen auch mit Hilfe von EU Fördergeldern umgesetzt werden könnten sei bisher in Neckargemünd nicht genügend genutzt worden, so Katzenstein der damit den Bogen zurück zur Europapolitik schlug.

Screenshot Youtube: Barcelona Screenshot Youtube: London Screenshot Youtube: Freiburg
Pure sun -
solar city Barcelona
London -
Bikes against traffic chaos

We just do it!
Freiburg - Green city

Neben soviel schwerer politischer Kost wurde das Programm durch Beiträge über Grüne Erfolge in verschiedenen europäischen Städten wie Barcelona, London oder Freiburg aufgelockert, die als Kurzfilme eingestreut wurden. Während man sich hierzulande noch über jedes Dach mit Sonnenkollektoren freut, sind diese in Barcelona kurzerhand zur Pflicht für alle Neubauten erklärt worden. Das autoarme und regenerativ versorgte Wohnviertel Vauban in Freiburg kann als weiteres gelungenes Beispiel für Grüne Umweltperspektiven gelten. Mit viel Diskussionsstoff versorgt versammelte Grünen-Vorstand Petra Groesser abschließend Vortragende und Zuhörer an der Saft-Bar, wo man auf den gelungenen Abend und den Wahlkampfendspurt anstieß.

Stefan Geißler